Wandertheater
Alles begann ... 1993 mit einer Pferdewagentour durch Polen zum Straßentheaterfestival in Jelenia Gora. Damals waren 21 SpielerInnen - im Rahmen einer Jugendfahrt überwiegend Amateure - unterwegs, die zusammen recht erfolgreich am Festival teilnahmen. Aufgrund der Gruppengröße entwickelte Liane Walther als spiritus rector des Ganzen ein Stück über zwei rivalisierende Gauklertruppen - "Los Komödiantos" kontra "Los Dilettantos".
Nach dieser Fahrt war nicht bei allen die Sehnsucht, Theater zu spielen, gestillt, es bildete sich der Kern unserer Truppe heraus. Inzwischen ist aus dem Hobby Beruf geworden. Unserem alten Namen blieben LOS DILETTANTOS trotz wohlmeinender gegenteiliger Ratschläge treu, nachdem wir seine wirkliche Bedeutung erforschten, meint er doch eigentlich: "die Feuer gefangen haben / mit Feuereifer bei der Sache sind" - und das trifft nach all den Jahren immer noch zu.
Unser Kern ist inzwischen auf fünf SpielerInnen zusammengeschmolzen, mit weiteren zwei Kollegen kooperieren wir häufig.
Der Winter gehört vor allem dem Training, die Saison vor allem dem Spiel.
Aufgrund der Nachfrage spielen wir meist auf historischen Festen, vor allem Mittelaltermärkten, obwohl wir auch sehr gerne zeitgenössisch arbeiten und besonders Festivals oder Straßenaktionen sehr anregend finden. So wie dem Narren seine Kappe dient, um die Welt aus seiner Sicht zu spiegeln, dient uns die bunte mittelalterliche Gewandung und das oft sehr angenehme Ambiente historischer Feste, mit unserem Theater an die Leute zu kommen. Das ist das Faszinierende an dieser harten Arbeit auf der Straße: Wir spielen für viele Leute, die nie im Leben ins Theater gehen. Also kommen wir zu ihnen, und viele erleben mit uns ihr erstes Stückchen dieser zauberischen Welt Theater. Besonders deutlich wird dies, wenn wir - was wir sehr gern tun - walkacts spielen, uns direkt unter die Leute mischen und zwischen und mit ihnen improvisieren. Spielerisch versuchen wir, mit dem Publikum in einen, oft stummen, Dialog zu treten. Wie ein Seismograph können wir fühlen, wie es den Menschen in verschiedenen Ecken dieses Landes geht, wir kriegen ihre Stimmungen, ihre Kooperationsbereitschaft oder Aggressionen hautnah ab.
Was nicht immer angenehm, aber immer lohnend und spannend ist.